Jeder kann betroffen sein, mit Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung vorsorgen!

Wie bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin? Reges Interesse zeigten fast 40 Bürgerinnen und Bürger am kostenfreien DRK-Vortrag „Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung“. Wolfram Lorenz, Direktor des Amtsgericht Lörrach informierte am 23. November 2015 im Rheinfelder DRK-Heim.

„Das Betreuungsrecht dient dem Schutz und der Unterstützung erwachsener Menschen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung oder einer psychischen Krankheit ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst regeln können. Sie sind deshalb auf die Hilfe anderer angewiesen“, so Wolfram Lorenz zu Anfang seines Vortrags. Viele Menschen sind sich unsicher, was eine Betreuung für sie bedeutet und wo sie Rat und Hilfe zu den verschiedenen Regelungen und Möglichkeiten bekommen. „Was tun, wenn man nicht mehr selbst entscheiden kann? Es sind zahlreiche ganz unterschiedliche Situationen denkbar, in denen Entscheidungen nicht mehr selbst getroffen werden können. In eine solche Situation zu kommen, kann manchmal tatsächlich sehr schnell gehen, “ ergänzt Wolfram Lorenz.

 

Wolfram Lorenz berichtete über gesetzliche Grundlagen und inhaltliche Rahmenbedingungen zur Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Er schilderte, welche Möglichkeiten es gibt, sicherzustellen, dass auch im Falle einer schweren Krankheit eigene Interessen gewahrt werden. „Gerade die Vorsorgevollmacht spielt hierbei eine zentrale Rolle, denn Angehörige sind nicht automatisch bevollmächtigt, zum Beispiel bei medizinischen Fragestellungen, Bankgeschäften oder bei Versicherungsfragen Entscheidungen zu treffen.“ Die Vollmacht zur Vorsorge ermögliche ein hohes Maß an Selbstbestimmung. Es können eine oder mehrere Personen des Vertrauens benannt werden, die im Bedarfsfall handeln. Auch bestehe die Möglichkeit, die Vorsorgevollmacht notariell beurkunden zu lassen. Wolfram Lorenz rät insbesondere „bei großem Vermögen, bei Hochbetagten oder auch bei zu befürchteten Streitigkeiten in der Familie" zu diesem Schritt. Liegt keine Vorsorgevollmacht vor, setzt das Betreuungsgericht im Bedarfsfall einen Betreuer ein. „Jeder hat es selbst in der Hand, dem vorzugreifen und selbst zu bestimmen, wer im Bedarfsfall für die eigenen Belange entscheiden soll", betont Lorenz.

„Bei der Patientenverfügung handelt es sich um eine weitere Möglichkeit, für den medizinischen Ernstfall vorzusorgen“, so Wolfram Lorenz weiter. Die Patientenverfügung richtet sich in erster Linie an den Arzt oder die Ärztin und das Behandlungsteam. Sie kann sich zusätzlich an eine bevollmächtigte oder gesetzliche Vertretung richten und Anweisungen oder Bitten zur Auslegung und Durchsetzung der Patientenverfügung enthalten. „Für den Fall, dass jemand nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, kann in einer Patientenverfügung festgelegt werden, ob und wie in bestimmten Situationen beispielsweise im Sterbeprozess ärztlich behandelt werden soll. Dabei ist es unbedingt erforderlich, differenzierte und eindeutige Angaben zu machen, “ so Wolfram Lorenz. Er empfiehlt darüber hinaus, eigene Wertvorstellungen und Wünsche in die Patientenverfügung mit aufzuschreiben und auch mit dem Arzt des Vertrauens und den Angehörigen zu besprechen.

Weitere Informationen auch zu anderen Themen rund ums ‚Alter(n)‘ erhalten Interessierte bei Lucia Woldert von der Servicestelle SeniorInnen des DRK-Kreisverbands Säckingen e.V. unter Telefon 07761 92 01 0 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

// created by Patrick Jakob